Wer war Menzel? Wilhelm Koch-Bode

Wer war Menzel?
Wilhelm Koch-Bode

Der Sperrmüll, den ein Künstler sorgfältig in eines der am häufigsten frequentierten Durchschlupfe Osnabrücks eingepasst hat, soll uns ja im Zusammenwirken mit seinem Ablageort, Festmachort – oder wie soll ich das altehrwürdige Osnabrücker Heger Tor aus dem 19. Jahrhundert nennen? – etwas Bedeutsames sagen. Will der Künstler die eingefügten Objekte in einen ebenso ehrwürdigen Rang heben wie das Tor und die Personen, denen sein Stifter huldigen wollte?

Dieses Motiv gefällt mir! Ich sehe ein Detail in dem kunstvollen, auch handwerklich gekonnt zurechtgezimmerten Konstrukt: Den Doppelspind mit dem Namen Menzel. Dieser Menzel (oder ist das eine Frau Menzel?) fügt sich ein in die Reihe der zu Ehrenden. Wer kann Menzel gewesen sein? Solch ein Spind passt zu jemandem, der zum Beispiel in einer Maschinenfabrik arbeitet. Ja, Menzel hat sein Brot wohl hart arbeitend in einem Industriebetrieb verdient. Eisen hat er gebogen oder sonstwie verformt – zu Zahnrädern oder so. Hitze, Lärm, Feinstaub wird er ausgesetzt gewesen sein. Nachtarbeit dürfte ihm nicht fremd gewesen sein. Knappe Essenspausen – die einzige Unterbrechung eines kräftezehrenden Achtstunden-Tages.

Vielleicht irre ich mich aber und der Spind gehörte einer Frau Menzel, die ihn in einer Schlecker-Filiale nutzte. Und als sie ihre Arbeit verlor und der Laden leergeräumt wurde, landete der Spind auf dem Sperrmüll.

Ja – an diese Leute, die das brauchten, was zu Sperrmüll wurde und nun zum Stoff für Kunst taugt, sollen wir denken, wenn wir den Durchschlupf nehmen.