Aus rund wird eckig (Rita Bessmann)

Aus rund wird eckig. Ein Tor, ein Stadttor bietet dadurch nicht mehr so viel Einlass und Ausblick, wie vor der Installation des Kunstwerks.

Das Kunstwerk ist ein Kunst-Werk. Es wirkt künstlich, aufgesetzt, eingefügt. Das Ursprünglich gerät aus der Form, wird gefüllt. Formen, Linien werden aufgenommen und mit alten Gebrauchsgegenständen fest angefüllt. Nichts wackelt, hat Platz oder Luft. Der Natur wurde der Raum genommen. Dem Geist hingegen wird Weite geschenkt. Der Betrachter kann die Schubladen mit seinen Gedanken, Wünschen, Träumen füllen. Kann Geschichten darin ablegen. So, wie auch Geschichte in dem Tor aus Stein gespeichert ist. Blutige Geschichte, aber auch schöne Momente.

Die Flächen des Kunstwerks sind so unterschiedlich, wie die Menschen, die hindurch gehen. Rund oder eckig, glatt, hölzern, warm oder kühl.

Es lädt ein, es zu verändern. Vielleicht einen roten Faden durch sämtliche Öffnungen, Griffe oder Ösen, die erkennbar sind, zu ziehen. Eine leuchtende Blumenampel an den Wasserhahn, der unter der Decke montierten Spüle, zu hängen. Blüten dazwischen zu stecken, oder vielleicht auch nur kleine Zettelchen mit Liebesbotschaften oder einem Smiley in die Ritzen zu klemmen.

Menschen unterm Hegertor

Tatütata – Vater mit Sohn im Buggy, interessiert am Schreiben, an unserem Tun. Randgespräche, Randnotizen „Kunstwerk bringt Osnabrück voran“. Radler, Dicker mit Sackkarre.

Blick auf die Zwiebel, im Rücken die Peitsche. Lotto – Jackpot!

Brille holt gleich drei Packungen Zigaretten, frisch geduscht. Trolleydame mit Rettungsring um die Hüfte, Flipflops, nackte Beine, nicht immer schön. Dame mit Hund, farblich passend zum Outfit.

Dame mit Hund biegt um die Ecke, es ist ein kleines Fellknäuel in beige-schwarz. Zügig geht die Dame voran. Es scheint, als würde sie dem Hund folgen. Ich folge ihr mit meinen Blicken. Ein beruhigendes Bild. So, wie die Farben, die jeglicher Farbigkeit entbehren. Naturtöne verbinden die beiden zu einer Einheit. Das Hündchen trägt den schwarzen Streifen auf dem Rücken, die dazu gehörige Frau, nicht mehr ganz jung, aber mit dynamischem Schritt, lässt um die Hüfte einen beigen Streifen hervor blitzen. Alles andere ist schwarz. Bis auf die Hundeleine, die das Blau des Himmels nicht ganz wider gibt. Das Blau ist etwas dunkler und strafft sich mit der Leine. Ob die Hundedame Angst hat, dass ihr Liebling schwanzwedelnd auf mich zuläuft? Mir womöglich seine Gunst schenkt? Vielleicht ist sie auch auf dem Weg zu ihrem Liebhaber und hat in ihrer Gürteltasche naturfarbene dünne Gummihüllen, um gewappnet zu sein für alle Eventualitäten?