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Konkret mehr Raum
Konstruktivistische Verunsicherungen – Raumkonzepte – Re-Visionen2014-08-08 scetch Pedro Cabrita Reis 2015 Kunstalle Osnabruck1240pxDie Ausstellung Konkret mehr Raum schafft mehr Denkraum für Kunst in Osnabrück. 20 internationale Künstler haben 18 ortsbezogene Konzepte entwickelt, um neue Verbindungslinien zwischen den drei Ausstellungsorten und der Innenstadt zu schaffen: der Kunsthalle Osnabrück, dem Felix-Nussbaum-Haus und dem Kulturgeschichtlichen Museum. Ein Fluchtpunkt des Konzepts ist das Werk von Friedrich Vordemberge-Gildewart (*1899 in Osnabrück – 1962 in Ulm), der als wichtiger deutscher Vertreter der Konkreten Kunst gilt. Die Gruppenausstellung erzählt Geschichten über die Verletzlichkeit von inneren Gleichgewichten. Die Installationen der Künstler führen sensible Dialoge zwischen Architekturen, Epochen und Nationalitäten. Die Projekte vertiefen Fragestellungen danach, was eine Stadtgesellschaft von der Kunst erwartet.
Die Kuratorinnen Dr. Julia Draganović, Elisabeth Lumme und Valérie Schwindt-Kleveman haben KünstlerInnen ausgewählt, deren Werke sich im weitesten Sinne auf Konkrete Kunst, Neo-Konstruktivismus bzw. Dekonstruktivismus beziehen. Die Künstlerliste ist mit Pedro Cabrita Reis (Portugal), Baptiste Debombourg (Frankreich), Vincent Ganivet (Frankreich), Jose Dávila (Mexiko), Angela Glajcar (Deutschland), Dominique Jézéquel (Frankreich), Michael Johansson (Schweden), Žilvinas Kempinas (Litauen), Andreas Kotulla (Deutschland), Alicja Kwade (Polen/Deutschland), Hinrich Gross/Sigrid Sandmann (Deutschland), Diana Sirianni (Italien/Deutschland), Rüdiger Stanko (Deutschland), David Svoboda (Tschechien/Deutschland), Dannielle Tegeder (USA), Susanne Tunn (Deutschland), Marie Cool/ Fabio Balducci (Luxemburg) und Maarten Baas (Niederlande) international besetzt.
2012-06-26 11.44.33

Ausstellungsraum Friedrich Vorderberge-Gildewart im Felix-Nussbaum-Haus, Foto konkret mehr RaumI

Künstlerische Dialoge
Die geladenen KünstlerInnen sind gefragt, in einen künstlerischen Dialog mit der Stadt, seiner Geschichte, seinen Gestaltungsprinzipien sowie mit dem Werk des in Osnabrück geborenen Künstlers und Designers Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 – 1962) zu treten.

Der portugiesische Künstler Pedro Cabrita Reis schlägt daher für die Außenfassade der Kunsthalle eine Lichtinstallation vor: „Die Gildewart Linie“, die horizontale und vertikale Raumlinien der historischen Architektur betont, verbindet in mehrfacher Hinsicht Osnabrücker Historie und Gegenwart. An der Fassade des gotischen Kirchenbaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Geburtshaus des Künstlers ist sie in ihrer rationalen, „konkreten“ Form auch als kunsthistorischer Verweis lesbar. Von Jose Dàvila werden im Kreuzgang der ehemaligen Dominikaner Kirche unter anderem zwei durch einen Gurt gehaltene Marmorplatten aufgestellt, die sich durch ihr Gewicht gegenseitig stabilisieren.

Die Künstlerin Susanne Tunn hebt im Kirchenschiff der Kunsthalle mit ihrer Arbeit das geometrische Bodenrelief mit seinen historischen Gebrauchsspuren hervor. Baptiste Debombourg wird im Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters konstruktivistische Architekturgrundformen des benachbarten Felix-Nussbaum-Hauses aufnehmen und einen konstruktiven Dialog zwischen den beiden Ausstellungsorten eröffnen. Vincent Ganivet baut aus grauen Betonsteinen für den Innenhof ein fragiles Bogenensemble und stellt ebenfalls Fragen nach dem fragilen Gleichgewicht sich selbst stabilisierender Systeme. Andreas Kottulla interveniert direkt auf der Wand und lässt die Architektur des Kreuzganges mit seinen Zeichnungsperspektiven verschwimmen. Der französische Künstler Dominique Jézéquel lenkt mit seinen Farbtafeln den Blick auf die verschränkten architektonischen Geometrien des Bauwerks und vermittelt damit nicht nur Farbimpressionen, sondern auch eine neue Wahrnehmung architektonischer Grundformen. Mit dem Video „Sweepers Clock“ von Maarten Baas aus den Niederlanden werden die Themen „Zeit – Raum – Arbeit“ visualisiert und dekonstruiert. Ebenso auf der internationalen Künstlerliste: Marie Cool und Fabio Balducci aus Luxemburg mit zwei Videos über Performances, in denen aus einfachen wiederholten Gesten Raum entsteht.

Rüdiger Stanko setzt in Osnabrück seine Farb-Befragung fort und ermittelt in der Friedenstadt die „Farbe der Zukunft“. “ BesucherInnen der Kunsthalle Osnabrück und des Felix-Nussbaum-Hauses konnten ihr Votum abgeben. In anderen Städten hatte er bereits die „Farben der Kultur“, des „Kapitals“ und der „Industrie“ ermittelt. Das Ergebnis des gemeinschaftlichen Farbfindungsprozesses wird auf einer Litfaßsäule am Rießmüllerplatz zu sehen sein und den Mitwirkenden als Postkarte übermittelt.

Das Felix-Nussbaum-Haus hat Vordemberge-Gildewart einen Raum gewidmet, der im Rahmen von „Konkret mehr Raum!“ von der in Italien geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin Diana Sirianni gestaltet wird. Ihre schwebende Installation verleiht den Räumen des ungewöhnlichen Bauwerks eine temporäre Leichtigkeit und ermöglicht skulpturale Impressionen zwischen Konstruktion und Dekonstruktion. Die Installation von Alicja Kwade, die den Besucher durch ihre Perfektion verzaubert und in die 4te Dimension entführt, findet Raum im Glasgang des Nussbaum-Hauses. Eine Lichtrauminstallation von Hinrich Gross | Sigrid Sandmann wird im Vertikalen Museum des Felix-Nussbaum-Hauses das Material „Licht“ in seiner Raumwirkung erfahrbar machen.

Für den Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums fertigt Angela Glajcar eine raumerzeugende Deckeninstallation aus Papier an. Die amerikanische Künstlerin Dannielle Tegeder präsentiert zeichnerische Partituren, die in ihren Raumbezügen eine Brücke zum benachbarten Felix Nussbaum Haus schlagen. In der Arbeit des litauischen Künstlers Žilvinas Kempinas liefern sich zwei Ventilatoren und ein Magnetband ein Duell mit der Luft. Sie stellen mit dieser kinetischen Installation die in die Luft gezeichnete geometrische Form auf die Probe.

Der schwedische Künstler Michael Johannsen verwandelt den runden Torbogen des Heger Tors mit unbrauchbaren Gebrauchsgütern in einen rechteckigen Tunnel. Der Durchgang zur Warenwelt soll durch Verpackungssysteme der Osnabrücker Bevölkerung „vertieft“ werden und Anlass zum Nachdenken über gesellschaftliche Freiräume und deren Begrenzungen geben. Osnabrücker Bürger sind gefragt, Gebrauchsgegenstände aus ihren Kellern beizusteuern und haben damit ebenso Teil an der künstlerischen Gemeinschaftsaktion.

Friedrich Vordemberge-Gildewart
Ein Bezugspunkt des Ausstellungskonzepts ist – neben der Stadt, ihren Orten und ihrer Geschichte – das Werk des Künstlers und Designers Friedrich Vordemberge-Gildewart, der als wichtiger deutscher Vertreter der Konkreten Kunst gilt. Zwei Jahre nach dem Vordemberge-Gildewart-Jahr in Osnabrück rückt die Ausstellung „Konkret mehr Raum“ aktuelle künstlerische Positionen ins Blickfeld. Diese sollen die historischen Wurzeln sichtbar machen, aus denen heraus das moderne urbane Leben seit fast einem Jahrhundert seine Raum- und Formkonzepte immer wieder neu schöpft. Die ortsbezogenen Projekte sind auch als forschende Interventionen zu verstehen, die den Betrachter für die Bedeutung von Raumgestaltung, Architektur und Stadtplanung in der Geschichte bis in die Gegenwart – und für die Zukunft – sensibilisieren soll.

Kuratorinnen – Trägerschaft
Das Projekt wird von Dr. Julia Draganović, Elisabeth Lumme und Valérie Schwindt-Kleveman kuratiert. Die Trägerschaft hat die Stadt Osnabrück.

Sponsoren und Förderer
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunsthalle Dominikanerkirche e.V. durchgeführt. Förderer sind: Niedersächsische Sparkassenstiftung, Sparkasse Osnabrück, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Stiftung Niedersachsen, Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V., Bureau des arts plastiques des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation.
Folgende Sponsoren der Freunde der Kunsthalle Dominikanerkirche unterstützen die künstlerischen Projekte: Handwerkskammer Osnabrück, Firmen Fip Mineralöl, Meyer & Meyer, Sostmeier, Hellmann, Nosta, Heinrich Koch, Glas Deppen, Recyclingbörse Herford und Bünde, Möwe, Brüning Naturstein, HWK, Georgsmarienhütte GmbH u.a. Firmen.

INFORMATIONEN
Die Ausstellung ist vom 14. Juni bis 13. September 2015 in den drei Museen, der Fassade der Kunsthalle, dem Heger Tor und dem Rißmüllerplatz zu sehen.
Eröffnung: 13. Juni um 17 Uhr in der Kunsthalle Osnabrück, Hasemauer 1.
Anschließend Begehung der Installationen im Felix-Nussbaum-Haus und dem Kulturgeschichtlichen Museum

Rückfragen:
Dr. Julia Draganović | draganovic@osnabrueck.de
Elisabeth Lumme | elisabeth.lumme@osnanet.de
Valérie Schwindt-Kleveman |info@ecart.org

Presse:
Verena Voigt PR | kontakt@verena-voigt-pr.de
Kanalstr. 36 | 24159 Kiel

www.verena-voigt-pr.de
T 0431-38 00 757 | M 0163 191 16 69

Öffnungszeiten (Kunsthalle Osnabrück):
Dienstag 13 bis 18 Uhr
Mittwoch bis Freitag 11 bis 18 Uhr
am zweiten Donnerstag im Monat: 11 bis 20 Uhr
Samstag/Sonntag 10 bis 18 Uhr

Kunsthalle Osnabrück
Hasemauer 1
49074 Osnabrück
Tel. 0541/323-2190
E-Mail: kunsthalle@osnabrueck.de;
www.osnabrueck.de/kunsthalle