Michael Johansson

Michael Johansson: Public Square

Für die Ausstellung konkret mehr Raum hat der schwedische Künstler Michael Johansson eine Installation aus gestapelten Alltagsgegenständen im Stadtzentrum mit dem Titel „Public Square“ entworfen. Das historische Denkmal zur Schlacht von Waterloo erfährt damit eine Umwidmung zugunsten eines Verweises auf das Werk des in Osnabrück geborenen Konstruktivisten Friedrich Vordemberge-Gildewart.

Zwischen den drei Ausstellungshäusern, Kulturgeschichtliches Museum, Felix-Nussbaum-Haus und Kunsthalle Osnabrück, wählt Johansson ganz im Sinne konstruktivistischer Formensprache kubische Dinge des täglichen Gebrauchs aus, die von Osnabrücker Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von Flohmärkten und Altgerätesammelstellen stammen und nach einen Aufruf an die Bürger Osnabrücks zusammengetragen getragen wurden.

Das dreidimensionale Raster unzähliger Gebrauchsgüter wird wie bei einem Tetrisspiel nach und nach zusammen gefügt. Hohlräume füllt der Künstler mit allerlei Kleinobjekten aus, die in ihrer Zusammenballung wiederum einen geometrischen Block bilden. Der Reiz für den Betrachter und Passanten des Tordurchgangs ergibt sich aus dem Spiel und der De-Funktionalisierung divergierender Gebrauchsgegenstände. Scheinbar mühelos stapelt Johansson Büroschränke genauso wie Küchenuhren, Wolldecken oder Kühlaggregate zu einem Raster sich gegenseitig tragender Elemente.

Einzelausstellungen und Beteiligungen in zahlreichen europäischen Ländern, aber auch Australien, Japan, Taiwan, USA und Südamerika haben Michael Johansson weltweit bekannt gemacht. Johansson stellt in seinen Arbeiten Bezüge zwischen Konsumgesellschaft und der Formensprache des (vergangenen) 20. Jahrhunderts her, seine Gestaltungsmethode verweist auf unterschiedliche Stilrichtungen wie die Arte Povera oder Minimal Art.

Dabei lässt sich der Künstler zunächst von seiner Sammelleidenschaft leiten. Die Welt der Dinge, ob nützlich, schön oder funktionslos, löst bei Michael Johansson eine starke Faszination aus. Ihn reizen die originären Ideen der Dinge, die jedoch im Objekt nicht mehr greifbar sind. Wenn er Industrieprodukten auf Flohmärkten immer wieder begegnet, gilt seine Aufmerksamkeit den kleinen, durch Abnutzung entstandenen Abweichungen, Veränderungen serieller Formen ziehen ihn magisch an. Die formalen Differenzen nutzt er vielfach in seinen Installationen, wobei er durch Entfunktionalisierung dem Gebrauchswert der Dinge im Sinne von De-Konstruktion eine umso stärkere Präsenz verleiht.

Text: Elisabeth Lumme

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Michael Johansson

*1975 in Trollhättan, Schweden
lebt und arbeitet in Malmö and Berlin