Vincent Ganivet

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„Lumière noire“, A. Eiling & J. Betz, Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe Foto: Vincent Ganivet

Vincent Ganivet: C.3.1.3.

Der französische Künstler und Bildhauer Vincent Ganivet vereint in seinen Installationen Architektur und Skulptur. Seine sorgsam und computergestützt berechneten Bögen sind ebenso wie die sakralen Architekturen des Mittelalters, auf die sie sich beziehen, beeindruckende Bauwerke. Während für die imposanten Bauten des Mittelalters Symbole der Macht und Stärke eine herausragende Rolle spielen, scheint Ganivet Spaß daran zu haben, sich bei seinen Konstruktionen genau vom Gegenteil leiten zu lassen. Zwar zitieren seine Bogenskulpturen die Formensprache der Macht, sind aber alles andere als sicher konstruiert. Die Fragilität der verletzlichen Architekturfragmente tritt in einen subtilen Widerspruch zu den einst für die Ewigkeit gedachten Bauwerken.

Ganivets Bogenskulptur ist prädestiniert für den Innenhof des alten Dominikanerklosters. Die Architektur von ehemaliger Kirche und Kloster versprechen solide Räume, die durch Pläne, Statiken und Baustoffe definiert werden. Der Künstler nutzt für die Berechung seiner fünf Meter hohen Skulptur den Computer. Sind die sich schneidenden Bögen errechnet, werden Holzgerüste zur Unterstützung gebaut. Auf diese werden die Bögen aus grauen Fertigbausteinen gesetzt, ganz ohne Zement – sich gegenseitig durch ihr Eigengewicht stabilisierend. Nach der Vollendung der Bögen wird die Holzkonstruktion entfernt und die Skulptur ist auf sich selbst gestellt; sämtlichen Einflüssen nun mehr ungeschützt ausgesetzt. Ein Windstoß oder ein vorbeifahrender LKW kann sie zum Einsturz bringen. Die ganze Skulptur scheint zu existieren, um das Risiko des Zusammenbruchs zu veranschaulichen. Das Scheitern als wirkungsstarkes Element ist bewusst einkalkuliert und wird Teil seines ästhetischen Konzepts, das den Betrachter tief berührt.

Doch gerade das Infragestellen des Gleichgewichts muss, wie bei der Konkreten Kunst, solide, präzise und mathematisch geplant werden. Zwar gelingt das Vorhaben mit Hilfe computergestützter Berechnungen – doch für wie lange? Sein Ausgang bleibt offen. Es ist ein Vorhaben des nicht Endgültigen, des Kontrollverlusts, denn letztlich kann der Abbau nur als Zusammensturz erfolgen. Damit spannt Vincent Ganivet den Bogen von der Konkreten Kunst bis zur heutigen Zeit. Und bis zur Frage nach dem Raum zwischen dem Entstehen und Vergehen.

Vincent Ganivet, französischer Bilderhauer, ist 1976 in Suresnes geboren. Er lebt und arbeitet in L´ile-Saint-Denis (Frankreich). Bekannt durch seine monumentalen Bögenensemble aus grauen Bausteinen, verwendet Vincent Ganivet  Baumaterial oder Verfahren aus der Industrie für seine künstlerische Umsetzung. Von monumentalen Bauten bis zu kleineren Werken, gehen von den Arbeiten von Vincent Ganivet ein poetischer Hauch und eine Gefahr zugleich aus.

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Vincent Ganivet  Foto: Maria Spera

Foto: Maria Spera

Vincent Ganivet hat im In- und Ausland an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen wie zum Beispiel „Lost (in L.A.)“, M-O Wahler, L.A. Municipal Art Galery, Los Angeles, „Monuments et Imaginaires“, C. Caujolle & Centre des monuments nationaux, Forteresse de Salses, Salses-Le-Château , „Lumière noire“, A. Eiling & J. Betz, Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe, „noli me tangere“, Galerie Yvon Lambert, Paris.

http://www.vincentganivet.fr