Alicja Kwade

Alicja Kwade: 2te 4te Dimension

Alicja Kwade, 2te 4te Dimension, Felix-Nussbaum-Haus, 2015 Courtesy / Leihgeber: Marie-Theresa Piepenbrock. Foto: Hermann Pentermann

Alicja Kwade, 2te 4te Dimension, Felix-Nussbaum-Haus, 2015 Courtesy / Leihgeber: Marie-Theresa Piepenbrock. Foto: Hermann Pentermann

Ein schwarzer hochglänzender Sockel unter einem bis auf den Boden reichenden Glassturz, darauf ein verschachtelter aufbrechender Kubus aus filigranen neongrünen Leuchtstäbchen – Alicja Kwades „2te 4te Dimension“ wirkt ein wenig wie von einem fernen Planeten gestürzte kristalline Materie, von der man nicht mit Sicherheit weiß, ob sie nicht mit einer nicht dechiffrierbaren Form von Intelligenz ausgestattet ist und sie daher unter Quarantäne hält. Auf der lackschwarzen Oberfläche des Kubus spiegelt sich die leuchtende Konstruktion. Der sich über die Skulptur beugende Betrachter entdeckt eine gespiegelte Welt. Wer weiß, ob Alicja – oder Alice? – ihn nicht zum Eintritt in dieselbe verführt und er sich dann in Wunderland wiederfindet?! Alicja Kwade spielt gern mit nur scheinbar mathematisch-naturwissenschaftlichen Referenzen. Der Titel dieser Arbeit deutet das an. Unweigerlich gleiten ihre nur auf den ersten Blick streng physikalischen Arrangements ins Poetische ab und eröffnen Einblicke in Parallelwelten, die aber undurchdringlich bleiben.

„Selbst wenn es andere Dimensionen gibt oder eine Parallelwelt existiert, wäre man nicht imstande zu erklären, wie diese zu erleben ist. Man ist simultan immer nur in seiner eigenen Gegenwart. Ich versuche diese Gegenwart zu doppeln bzw. zu spalten, das gedankliche Theorem sichtbar zu machen.“, erklärt die Künstlerin. Für die „2te 4te“ Dimension hat Alicja Kwade die Leuchtstäbchen von Digitaluhren zu einer Form zusammengestellt, die deutlich aus der Fläche in den Raum übergeht und als vierte Dimension nicht mehr die Zeit erschließt, sondern eine Spiegelwelt, die ein rein optisches Phänomen darstellt. Oder etwa nicht? Die zweite Zeitebene ist eine räumlich gespiegelte? Sehen Sie? Kwades Parallelwelten eröffnen Denkräume, denen rational nicht beizukommen ist. Und genau dort befindet sich Alicjas konkretes Wunderland.

Alicja Kwade wurde 1979 in Kattowitz geboren; sie ist eine deutsche Künstlerin polnischer Herkunft. Kwade studierte an der Universität der Künste Berlin (bei Dieter Hacker und Christiane Möbus). Seit 2011 lebt und arbeitet sie in Berlin. 2008 erhielt sie den Piepenbrock Preis für Skulptur.

http://www.johannkoenig.de/56/alicja_kwade/selected_works.html

Text: Julia Draganoviç