Zilvinas Kempinas

Zilvinas Kempinas
Lemniscate

Žilvinas Kempinas, Lemniscate, Kulturgeschichtliches Museum, 2015. Leihgeber / Courtesy Musée d’Art Modern du Granduc Jean, Luxemburg. Foto: Hermann Pentermann

Žilvinas Kempinas, Lemniscate, Kulturgeschichtliches Museum, 2015. Leihgeber / Courtesy Musée d’Art Modern du Granduc Jean, Luxemburg. Foto: Hermann Pentermann

Die Werke des in New York lebenden litauischen Künstlers Zilvinas Kempinas sind ebenso minimalistisch wie kinetisch. Er schafft mit einfachsten Mitteln komplexe und atmosphärische Raumsituationen von großer Schönheit, die mit Luft und Leichtigkeit spielen und damit die Fragilität zivilisatorischer Existenz im Innersten berühren.

Für Osnabrück hat Kempinas eine Arbeit mit dem Titel „Lemniscate“ ausgewählt. Als „Lemniscate“ bezeichnet man jene ebene Kurve einer liegenden Acht, die als Symbol für die Unendlichkeit gilt. Das Symbol erscheint deshalb so gelungen, weil es konkret darstellt, was sich der menschlichen Vorstellungskraft nur so schwer erschließt: Einem endlichen Wesen, das von Natur aus nur Dinge und Geschehnisse mit einem Anfang und einem Ende denken kann, ist die liegende Acht, deren Verlauf man unendlich nachzeichnen kann, eine hilfreiche Versinnlichung.

Zilvinas Kempinas „Lemniscate“ besteht aus einem Magnetband, das durch zwei Ventilatoren in einen Schwebezustand versetzt wird, der es die Form des Lemniscate in der Luft nachtanzen lässt. Eine fragile und prekäre Versinnbildlichung unserer Anstrengung, eine Form beziehungsweise ein Konzept zu erzeugen, das nur mit viel Energie ins Leben gerufen und aufrecht erhalten werden kann. Ist diese Energie nicht vorhanden, fällt der Strom aus oder schaltet man den Schalter ab, so entgleitet die flimmernd leichte Substanz, derer es bedarf, um Unendlichkeit zumindest zeitweise zu erzeugen. „Lemniscate“ stellt einen unauflöslichen Widerspruch in sich dar: Die Unendlichkeit, die doch über uns endliche Wesen hinausgehen sollte, ist ganz und gar von uns abhängig und daher wohl nicht wirklich „konkret“…

Kempinas wurde 1969 in Litauen geboren. Seine Ausbildung fiel mitten in die Zeit der politischen Umwälzungen. Von 1987 bis 1993 studierte er Malerei am Staatlichen Kunstinstitut, der späteren Kunstakademie in Vilnius. Seit 1997 lebt er in New York auf, wo er von 1998 bis 2002 am Hunter College ‚combined media‘ studierte. 2003 stellte er am P.S.1 Contemporary Art Center aus. 2008 in der Kunsthalle Wien. 2009 vertrat er Lithauen auf der Biennale in Venedig. 2013 richtete ihm das Museum Tinguely in Basel eine große Einzelausstellung aus.

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