Hinrich Gross/Sigrid Sandmann

Hinrich Gross | Sigrid Sandmann: Ohne Titel

igrid Sandmann | Hinrich Gross, O.T. Projektion mit 2 Diaprojektoren. (c) VG BILD-KUNST. Foto: Hinrich Gross

Sigrid Sandmann | Hinrich Gross, O.T. Projektion mit 2 Diaprojektoren. Foto: Sigrid Sandmann. (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Zwei quadratische Formen aus Licht, exakt gleich groß und hell, werden von zwei Diaprojektoren auf die nackte Betonwand des Vertikalen Museums im Daniel-Libeskind-Bau des Felix-Nussbaum-Museums projiziert. Das künstliche Licht steht in dieser Doppelprojektion als Form und Material für sich selbst. Es ist weder Träger einer Bildinformation noch ist es Medium, um Dinge außerhalb seiner selbst zur Erscheinung zu bringen. Die beiden identischen Arbeiten zweier unterschiedlicher Autoren, Hinrich Gross und Sigrid Sandmann, treffen sich in der Theorie der Konkreten Kunst, die die Abwesenheit von Bedeutung und den Verzicht auf jegliche mimetische Funktion zu den bestimmenden Faktoren erhoben hat. Damit nehmen sie auf humorvolle Weise ein Gestaltungsprinzip auf, das durch den 1899 in Osnabrück geborenen Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart an Ort und Stelle vertreten und dessen Werk Fluchtpunkt der Ausstellung konkret mehr Raum ist.

Das Quadrat als Urform war stets wie auch das Licht elementarer Stoff künstlerischer wie naturwissenschaftlicher Versuchsanordnungen. Anders als bei Hans Peter Feldmann, der 2013 zahlreiche quadratische und rechteckige Flächen mittels Scheinwerfern auf die Wände der Berliner Galerie Mehdi Chouarki geworfen und jedes „Bild“ mit zwei Haken versehen hat, stellt sich in dieser Konstellation die Frage nach Urheberschaft, Werk und Original. Der Kontext Felix-Nussbaum-Haus ruft aber auch die auch von Feldmann vorgetragene Thematik der Abwesenheit von Materie auf. Die zwei durch technische Vorgänge generierten quadratischen Lichtfelder ließen sich mit „weißen Schatten“ assoziieren. In dieser Lesart wären die Lichtfelder Spuren abgehängter oder nicht mehr gemalter Bilder.

Sigrid Sandmann. Foto: Gaby Zimmermann

Hinrich Gross (*München) und Sigrid Sandmann (*1959 in Hildesheim) setzen Licht auf unterschiedliche Weise als „Rohstoff“ für Ihre künstlerischen Bearbeitungen ein. Sigrid Sandmanns großflächigen Diaprojektionen auf Fassaden sind stets formal und inhaltlich der jeweiligen Projektionsfläche angepasst. Licht transportiert bei ihren ortsspezifischen Projektionen mit gestalteten Dias Inhalte und Bedeutung und ist gleichzeitig flüchtiges Gestaltungselement in öffentlichen Räumen. Sie hat an zahlreichen internationalen Ausstellungen für Lichtkunst teilgenommen, u.a. 2012 an GLOW, Forum of Light & Architecture, Eindhoven, NL sowie dem Lichtfestival Narracje, Gdansk, Polen. Hinrich Gross dagegen erforscht die Möglichkeiten, Licht als formbares Element in unterschiedlichen Kontexten und Räumen zu installieren. Seine Versuchsanordnungen drehen sich um Themen wie Materialisierung von Licht und Dematerialisierung von Architektur. Sein Interesse gilt den sinnlichen Qualitäten des Lichts als Quelle der Erkenntnis. Die Teilnahme an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen hat ihn unter anderem in die Schweiz und die Türkei, nach Frankreich, Österreich, Norwegen, Finnland und zur Nakanojo-Biennale 2011 nach Japan geführt.

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