Diana Sirianni

Diana Sirianni: Neubarock, Werkzyklus (seit 2014)

Diana Sirianni, Diana Sirianni, „Neubarock V. Keeping Track“, Felix-Nussbaum-Haus, Vordemberge Gildewart-Raum, Courtesy Galerie Philipp von Rosen / Dianna Sirianni. Foto: Diana Sirianni

Diana Sirianni, Diana Sirianni, „Neubarock V. Keeping Track“, Felix-Nussbaum-Haus, Vordemberge Gildewart-Raum, Courtesy Galerie Philipp von Rosen / Dianna Sirianni. Foto: Diana Sirianni

Ein räumliches Konstrukt aus unzähligen Bildfragmenten, große und winzig kleine Abschnitte von Fotografien der italienischen Künstlerin Diana Sirianni schweben im Raum. Fast unsichtbare Nylonfäden halten eine Masse von Einzelteilen, die im Moment explosionsartigen Auseinanderdriftens in plötzlichem Stillstand zu verharren scheint. Die viel-eckigen Papierschnipsel breiten sich im spitzwinkeligen Raum der Libeskind-Architektur im Erdgeschoss des Felix-Nussbaum-Hauses wellenförmig aus und zergliedern die Raumtiefe. Diana Sirianni nutzt die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung, um zeitgenössische Raumerfahrung mit den Mitteln zeitgenössischer Reproduktionstechnologie zu erforschen. Sie fotografiert Räume und entwirft anschließend am Bildschirm virtuelle De-Konstruktionen, denen sie zusätzliches Bildmaterial collageartig hinzufügt. Danach erst erfolgt die Übertragung in den dreidimensionalen Raum, die installative Reproduktion, die durch die zahlreichen Bearbeitungsprozesse zu einer Re-Vision wird. Für die Ausstellung KONKRET MEHR RAUM verwendet Diana Sirianni Auszüge ihres digitalen Bildarchivs und Bilder vorangegangener Raumcollagen, die vor dem Hintergrund verschiedener Architekturen der Gegenwart bis zum Barock entstanden sind. Sie implementiert Bildfragmente dieser Raumkonstellationen und Kunstepochen in den aktuellen Ausstellungsraum und schafft rhizomartig neue Bedeutungs- und Wirklichkeitsebenen. Diana Sirianni fragmentiert und collagiert. Ihre freischwebenden dreidimensionalen Bildcollagen vor dem nüchternen Beton im Felix-Nussbaum-Museum erweitern den physischen Raum um ein Vielfaches an Virtuellem. Siriannis Collagetechnik steht zur Kunst des frühen 20. Jahrhundert ebenso in Beziehung wie zum Dekonstruktivismus der Libeskind-Architektur und spiegelt insbesondere die Formen der Konkreten Kunst Friedrich Vordemberge-Gildewarts, dem diesem Raum gewidmet ist.

Diana Sirianni Portrait small

Diana Sirianni Foto: Hadas Tapouchi

Diana Sirianni, (* 1982 in Rom) lebt und arbeitet in Berlin, wo sie 2013 als Meisterschülerin von Gregor Schneider ihr Studium an der Universität der Künste abgeschlossen hat. Sie nahm an zahlreiche Stipendien wahr, u.a. der Stiftung Kunstfonds, des DAAD und der Villa Sträuli in Winterhur. Ausstellungsbeteiligungen führten sie u.a. 2013 ins MARTa Herford (Ruhe-Störung. Streifzüge durch die Welten der Collage), zum Kunstverein Bregenz (Six memos for the next…/Vol.8) sowie nach Rom, wo sie in der Cappella Santacroce-Aldobrandini zum Thema Neubarock arbeitete. Im März 2015 nahm sie an der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes Berlin teil. Text: Elisabeth Lumme